Solidarität mit Flüchtlingen vom Budapester Bahnhof

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Foto und Text: Patrycja Przybilla

Diese Woche harrten unter menschenunwürdigen Bedingungen tausende Flüchtlinge tagelang im Budapester Bahnhof Keleti  aus. Die ungarische rechtskonservative Regierung benutzte die Menschen in diesen Tagen als Faustpfand ihrer ausgrenzenden, völkisch motivierten Flüchtlingspolitik. Freitagnacht fiel eine überraschende Entscheidung, die auch tausende dieser Menschen vor allem aus Syrien und dem Irak aus dieser Situation befreite: Bundeskanzlerin Angela Merkel und Österreichs Bundeskanzler Werner Faymann entschieden – entgegen der bestehenden Dublin-Regelungen – ihnen die Einreise nach Österreich und Deutschland zu gewähren.

Die Süddeutsche schreibt, dass am Samstagmorgen auch die Staatskanzleichefs aller Bundesländer in einer Telefonkonferenz vereinbarten Solidarität zu zeigen und die Flüchtlinge vom Budapester Bahnhof aufzunehmen.

Etwa 20 000 der Flüchtlinge fuhren an diesem Wochenende mit dem Zug im Münchener Hauptbahnhof ein. Dort wurden die Ankommenden am Bahnhof von Menschen mit lautem Klatschen, Bonbons und Stofftieren herzlich begrüßt. Selbst Bild beschreibt diese berührenden Szenen der Ankunft in München unter dem Titel „Merkel beendet die Schande von Budapest“. Die Süddeutsche berichtet, dass die Hilfsbereitschaft sehr groß sei, aber die Lagermöglichkeiten für gespendete Lebensmittel und Kleidung bei Hilfsorganisationen und im Münchener Bahnhof ausgeschöpft seien, so dass die Helfer gezwungen sind Leute, die weitere Sachspenden bringen wollen abzuweisen.

Die österreichischen Behörden gaben an, dass die österreichische Bundesbahn (ÖBB) 11 000 Asylsuchende aus Ungarn am Samstag nach Deutschland befördert hatte, heute erwarten sie 10 000 Flüchtlinge in Deutschland. Laut weiteren Berichten der Süddeutschen stehen in München und Umgebung Notunterkünfte bereit, wie etwa ein Gymnasium oder die Messe. Das Bundesinnenministerium erklärte, dass diese Flüchtlinge, die aus Ungarn anreisen auf verschiedene Bundesländer nach dem Königsteiner Schlüssel verteilt werden. Diese Quote wird jährlich neu berechnet für jedes Bundesland anhand der Bevölkerungszahl (ein Drittel) und Steuereinnahmen (zwei Drittel). 1470 der Flüchtlinge die am Wochenende nach Deutschland kommen, reisen nach Nordrhein-Westfalen weiter; mindestens 1300 Menschen will Baden-Württemberg aufnehmen; in Hessen werden beispielsweise 700 Menschen untergebracht; 500 werden auf Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen verteilt und in Rheinland-Pfalz sowie in Berlin werden 350 erwartet. Niedersachsen, wo bereits am Donnerstag 200 Menschen aufgenommen wurden, die aus Ungarn über Bayern kamen, wird weitere 700 unterbringen. Geplant ist, dass die Flüchtlinge noch an diesem Wochenende in den Städten ankommen, in denen sie auch eine Unterkunft erhalten. Die Bahn stellt dazu zusätzliche Züge zur Verfügung.

Spiegel Online berichtet zudem von einem Autokonvoi, der von Privatpersonen organisiert wurde, die sich von Wien aus auf dem Weg machten, um Flüchtlinge über die Grenze bringen.

 „Die Europäische Union ist eine Union von 510 Millionen Menschen. Dieses Europa erstickt nicht, wenn es Kriegsflüchtlinge aus Syrien aufnimmt. Dieses Europa erstickt, wenn es sie nicht aufnimmt: Es erstickt dann an seinem Geiz, an seinen nationalen Egomanien und an seiner Heuchelei“, diese deutlichen Worte findet Heribert Prantl im Kommentar „Das Europa der Heuchler“ in der Süddeutschen Zeitung.

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