Heimatlos

2013-05-31 13.27.31

Gedicht ausgewählt von: Elina Finkel Foto: Patrycja Przybilla

 

Heimatlos

Von Max Herrmann-Neisse

Wir ohne Heimat irren so verloren

und sinnlos durch der Fremde Labyrinth.

Die Eingebornen plaudern vor den Toren

vertraut im abendlichen Sommerwind.

Er macht den Fenstervorhang flüchtig wehen

und läßt uns in die lang entbehrte Ruh

des sichren Friedens einer Stube sehen

und schließt sie vor uns grausam wieder zu.

Die herrenlosen Katzen in den Gassen,

die Bettler, nächtigend im nassen Gras,

sind nicht so ausgestoßen und verlassen

wie jeder, der ein Heimatglück besaß

und hat es ohne seine Schuld verloren

und irrt jetzt durch der Fremde Labyrinth.

Die Eingebornen träumen vor den Toren

und wissen nicht, daß wir ihr Schatten sind.

 

 

 

 

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