Drastische Kunst macht auf makabre Politik aufmerksam

Video: zoomin.tv Text: Patrycja Przybilla

Was löst es in Zuschauenden aus, wenn Flüchtlinge vor dem Kanzleramt begraben werden? Die Aktion „Die Toten kommen“, in der Leichname von Flüchtlingen an einen Ort politischer Einflussnahme am kommenden Sonntag, 21.6.2015 vom Zentrum für politische Schönheit (ZpS) getragen werden, wirft eine solche Frage in den Raum. Über die Performance konfrontieren die Menschenrechtsaktivisten mit der Frage nach Verantwortung; etwa Verantwortung bezüglich Entscheidungen zur Flüchtlingspolitik: Verantwortung von Politiker_innen und allen, die die europäische Abschottungspolitik mittragen.

Vor dem Kanzleramt soll ein Friedhof „für unbekannte Einwanderer“ errichtet werden, berichtet Peter Laudenbach in der Süddeutschen Zeitung über das Ziel der Theatermacher. Eine Anmeldung für den  geplanten Menschenzug vor dem Kanzleramt, unter dem Titel „Mahnwache für ertrunkene Flüchtlinge im Meer“, liegt ebenfalls vor, schildert Anika Hüttmann von rbb online. „Das ist kein Theater, das ist Realität“, sagte Stefan Pelzer vom ZpS zur Frage nach den Leichen Dienstagvormittag vor der Presseauf dem Friedhof in Berlin Gatowam, wie Elke Buhr von Monopol schreibt.  An diesem Morgen setzen die Theatermacher im muslimischen Teil des Friedhofs eine Frau bei, die mit ihrem zweijährigen Kind aus Syrien geflohen war und mit dem Schiff versuchte nach Italien zu kommen.
In einem zusammengeflickten Youtube-Clip, in dem das ZpS auch über Crowdfunding für die Beisetzungen aufmerksam macht, wird erzählt, dass die Aktivisten zusammen mit Angehörigen, Geistlichen und Bestattern Leichen exhumierten: Leichen von Flüchtlingen, die im Mittelmeer ertranken aus Massengräbern und anderen menschenunwürdigen Gräbern Südeuropas. Diese, so wird in dem zweiminütigen Video behauptet, werden jetzt auf unterschiedlichen Berliner Friedhöfen beigesetzt: Leichen, von Menschen die vielleicht ein besseres Leben leben wollten.
Den Hinterbliebenen der Toten solcher politischer Katastrophen wird oft die Möglichkeit des Begräbnisses weggenommen. Das geschieht zum Beispiel, wenn Tote von Behörden nicht identifiziert und in Massengräbern abgelegt werden, erklärt Ines Pohl in der taz.  Das Mittelmeer wird in den Medien immer öfter als „Friedhof“ tituliert. Und doch ist es für Europäer zu fern wahrzunehmen, dass das Sterben hier Wirklichkeit ist, dass es wirklich Menschen mit Körper und Seele sind, die ihr Leben riskieren und dass dies vielleicht auch etwas mit Ressentiments, Projektionen, Ängsten und restriktiven Gesetzen zu tun haben könnte, die die Mauer um Europa immer weiter verstärken.

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